Gülle und Wasserschutz - Wie passt das zusammen?

Gülle und Wasserschutz - Wie passt das zusammen?

Vielerorts fahren die Landwirte wieder Gülle auf die Äcker. Das ist notwendig und zum jetzigen Zeitpunkt auch optimal, denn die Pflanzen benötigen Nährstoffe für ihr Wachstum, betonen die Berater*innen des Ingenieurbüros Schnittstelle Boden aus Ober-Mörlen. Die Fachleute für Landwirtschaft und Grundwasserschutz beraten die Landwirte hessenweit und auch im Landkreis Fulda im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie und in Trinkwasserschutzgebieten, mit dem Ziel Nitratbelastungen des Grundwassers zu vermindern bzw. zu vermeiden. Beauftrag sind sie von den Wasserversorgern und vom Land Hessen, um gemeinsam mit den Landwirten für ein sauberes Grundwasser zu arbeiten. „Entgegen der vorherrschenden Meinung, ist Gülle jedoch nicht per se eine Gefahr für das Grundwasser“ ist die einhellige Meinung der Grundwasserschützer. „Auf die richtige Menge und den Zeitpunkt der Ausbringung kommt es an.“

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Gülle ein wertvoller Dünger

 

Wie der Mensch auch, so scheiden Nutztiere Unverdautes wieder aus. Gülle ist eine Mischung aus Kot, Harn, Futterresten und Stroh aus dem Stall, welche die Landwirte wieder als Dünger für ihre Kulturen verwenden. Denn die Pflanzen benötigen verschiedene Nährstoffe um wachsen zu können. Wird beispielsweise im August das Korn für die Brotherstellung geerntet, so werden auch die darin gespeicherten Nährstoffe vom Acker „entfernt“. Auf die Fläche betrachtet ist dieser Nährstoffentzug beträchtlich, weshalb die Landwirte entsprechende Mengen an Düngemitteln einsetzen müssen, um den Nährstoffvorrat im Boden wieder aufzufüllen. Der Boden wäre ansonsten irgendwann „ausgeschöpft“ und nicht mehr für die Nahrungsmittelproduktion nutzbar. Da sämtliche Nährstoffe, welche die Pflanzen für ihr Wachstum benötigen, in den Ausscheidungen der Tiere enthalten sind, ist Gülle ein wertvolles und ausgewogenes Düngemittel. Wegen ihrer positiven Wirkung auf das Pflanzenwachstum, setzen die Menschen bereits seit Jahrtausenden tierische Ausscheidungen als Dünger in der Landwirtschaft ein. Nährstoffe rotieren dabei zwischen Stall und Feld in einem Kreislauf und gehen nicht ungenutzt verloren. Wo keine sogenannten Wirtschaftsdünger zur Verfügung stehen, müssen dem Boden entzogene Nährstoffe durch industriell hergestellte Dünger wieder aufgefüllt werden. Stickstoffdünger werden dabei, unter extrem hohem Energieverbrauch hergestellt. Phosphor-, Kalium- und Magnesiumdünger werden vor allem bergbaulich gewonnen und sind wie Kohle und Erdöl endliche Ressourcen.

 

 

Gülleausbringung im Frühjahr unbedenklich

 

Damit die Pflanzen die Nährstoffe optimal für ihr Wachstum nutzen können, ist der Zeitpunkt der Gülleausbringung ausschlaggebend. Momentan befinden sich Kulturen die im Herbst gesät wurden, wie z.B. Raps, Weizen und Gerste, noch im Winterschlaf. Um aber im bevorstehenden Frühling direkt mit dem Wachstum fort fahren zu können, müssen die Nährstoffe dann verfügbar vorliegen. Bald beginnt außerdem die Aussaat sogenannter Sommerfrüchte. Getreide wie Hafer, Sommergerste aber auch Mais und Kartoffeln werden in den nächsten Wochen und Monaten bestellt und müssen ebenfalls gedüngt werden. Im Frühjahr kommt bei Vieh haltenden Betrieben oder Betrieben mit Biogasanlage auch Gülle als Dünger zum Einsatz.Gülle ist zwar ein bewährtes Düngemittel, hat jedoch wie alle stickstoffhaltigen Dünger einen großen Nachteil: Nur ein Teil des enthaltenen Stickstoffs wird direkt von den Pflanzenwurzeln aufgenommen. Ein beträchtlicher Teil des Stickstoffs wird im Boden in Nitrat umgewandelt. Nitrat löst sich leicht im Bodenwasser und kann versickern, so dass es ins Grundwasser gelangen kann. Die Gefahr einer solchen „Nitratauswaschung“ ist bei einer Düngung im Frühjahr allerdings sehr gering, da die Pflanzenwurzeln bis zur Ernte der Frucht ausreichend Zeit haben das nitrathaltige Wasser aufzunehmen und in Pflanzenmasse umzusetzen. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass die Menge an gedüngtem Stickstoff der Menge entspricht, welche die Kultur auch tatsächlich in der gegebenen Zeit aufnehmen kann. Anders sieht es aus, wenn Gülle im Herbst ausgebracht wird. Hier ist eine Düngung nur zu wenigen Pflanzenarten sinnvoll. Da die Pflanzen über den Winter kaum wachsen, reicht der von Natur aus im Boden vorkommende Stickstoff oftmals aus, um die Kulturpflanzen zu ernähren. Stickstoff wird nicht oder nur teilweise von den Pflanzen aufgenommen und kann als Nitrat in tiefere Bodenschichten verlagert werden und früher oder später das Grundwasser belasten.

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Was stinkt denn da?


Hinzu kommt ein weiterer Grund für das negative Image der Gülle: Sie stinkt. Der Hauptgrund für den strengen Geruch, der von Gülle ausgeht, ist die Entstehung des übelriechenden Gases Ammoniak. In der Gülle liegt ein Teil des Stickstoffs in einer Form vor, welche die Entstehung von Ammoniak begünstigt. Da mit steigenden Temperaturen auch mehr Ammoniak entsteht, ist die Ausbringung von Gülle vor allem im Frühjahr - aber auch mal nachts - ideal. Der Stickstoff kann in den Boden eindringen, bevor er als Ammoniak verloren geht und den Pflanzen für ihr Wachstum fehlt.

 

Gesetzgeber reguliert die Gülleausbringung
Um die negativen Eigenschaften der Gülle als Düngemittel zu reduzieren, regelt der Gesetzgeber Details zu deren Ausbringung sowie Höchstmengen in der Düngeverordnung. So ist es in den Wintermonaten grundsätzlich verboten Gülle auszubringen, da die Kulturpflanzen keinen Nährstoffbedarf haben. Im Herbst dürfen nur wenige Kulturen überhaupt gedüngt werden. Seit Februar dieses Jahres werden auch Vorgaben zur Technik der Gülleausbringung gemacht. So darf Gülle auf bewachsenen Feldern nur noch streifenförmig, direkt auf den Boden gegeben werden. Vor der Aussaat einer Sommerkultur muss die Gülle innerhalb weniger Stunden nachdem sie verteilt wurde in den Boden eingearbeitet werden. Für Wiesen gilt noch eine Übergangsfrist bis 2025. Hier darf noch Technik eingesetzt werden, welche die Gülle als breiten Strahl auf die Pflanzen ausbringt.

 

Kontakt

 

Wassermeister
Eugen Frohnapfel

 

Telefon: +49 (0) 6657 987-621
Mobil: +49 (0) 173 238 96 75

eugen.frohnapfel@hofbieber.de